Heute möchte ich euch ein von ein paar Erlebnissen in der Schule berichten.
Die Abschlussprüfungen
Das kenianische Schuljahr ist in Trimester geteilt und endet in 2 Wochen. Deshalb fanden in der ganzen Schule an 2 Tagen Abschlussprüfungen statt. Die Prüfungen werden nicht von den Lehrern erstellt, sondern von einer externen Stelle gekauft. Die Vorschulklassen haben nur 2 Prüfungen täglich und werden von den Lehrpersonen dabei unterstützt, die Grundschule und höheren Schulstufen haben den ganzen Tag über (mit Pausen) Prüfungen zu schreiben. Die Prüfungen sind Multiple Choice Fragen und werden vom Lehrer im Anschluss überprüft. Wenn die Prüfungen abgeschlossen sind, werden vor der gesamten Schule die Ergebnisse der höheren Schulstufen bekanntgegeben, wobei die 3 besten SchülerInnen der Klasse besonders hervorgehoben werden, aber auch die Einzelergebnisse pro Fach werden verkündet und so weiß jeder, wer der/die Beste/Schlechteste war.
In Österreich würde man das als pädagogisch nicht richtig betrachten, da man die SchülerInnen nicht vor den SchülerInnen und LehrerInnen demütigen möchte.
In der Caroline School findet jeden Freitag ein "Assembly" statt - also eine Versammlung - bei der eine Klasse marschiert und die kenianische Flagge hisst. Danach wird gebetet und gesungen. Letzten Freitag wurden beim Assembly auch die Prüfungsergebnisse verkündet und danach musste ich mit der gesamten Schule den "Drunken Sailor" singen, den ich zwei Wochen davor mit den Kindern einstudiert habe. Gesagt haben sie mir das im Vorhinein natürlich nicht, aber ohne Spontanität kommt man in Kenia sowieso nicht weit!
Ich habe während den Prüfungen teilweise die Prüfungsaufsicht übernommen, den LehrerInnen geholfen die Prüfungen zu korrigieren und die Vorschulkinder bei den Prüfungen unterstützt. Interessant finde ich den Fakt, dass man im kenianischen Schulsystem die Klasse nicht wiederholen kann/ muss. Das heißt, auch schlechte SchülerInnen steigen auf. Im Allgemeinen ist mir aufgefallen, dass das Niveau im Vergleich zu unserem Bildungsniveau je höher die Schulstufe ist, sinkt. Obwohl die Kinder mit 3 schon in die Schule gehen, können sie teilweise im Teenageralter noch immer nicht fließend Englisch lesen. Schwierig finde ich auch, dass der Unterricht auf Englisch stattfindet, die LehrerInnen jedoch oft selbst nicht grammatikalisch richtiges Englisch sprechen bzw. schreiben können, da Englisch keine Erstsprache, sondern Zweitsprache ist. So wird von Generation zu Generation ein "falsches" Englisch weitergegeben. Die LehrerInnenausbildung in Kenia ist auch nicht so umfangreich wie bei uns. Sie dauert nur 2 Jahre und ist mehr ein Lehrgang, als ein Studium. Es wird auch unter "Teacher Training College" geführt und man bekommt danach ein Zertifikat. Pädagogisches Handeln oder Entwicklungspsychologie wird in der Ausbildung kaum oder gar nicht gelehrt.
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| Die Flagge wird gehisst |
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| Assembly |
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| Prüfungsfragen 4.Klasse Volksschule |
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| Prüfungsfragen Vorschulklasse |
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| Prüfungsfragen höhere Klasse |
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| Prüfung in Englisch |
Schulchor mit offizieller Leitung von Simone Deibler
Ganz besonders freut es mich, dass ich immer die Musikstunden übernehmen darf. Jetzt wurde ich sogar einem Projekt zugeteilt, bei dem ich mit einigen Kindern der Schule ein Weihnachtslied einstudieren soll, das dann auch auf Video aufgenommen werden wird. Gestern hatte ich die ersten Chorstunden mit den Kindern und es hat sich nicht als ganz einfach erwiesen. Bald habe ich bemerkt, dass die Kinder die Zeichen, wie wir sie in der Schule verwenden (z.B. Tonhöhe anzeigen, dirigieren, Einsatz geben...) überhaupt nicht verstehen. Manchmal sahen sie mich an, als hätten sie einen Alien gesehen. Aber letztlich hat es sehr viel Spaß gemacht und wir werden die nächsten Tage und Wochen daran weiterarbeiten!
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| Wir schreiben den Text des Liedes "Deck The Halls" in ein Heft. |
Debattierrunde in Klasse 6 - Eine Debattierrunde über sexuelle Gewalt und die Untersrückung der Frau in Kenia
Unlängst fand in Klasse 6 im Fach Englisch eine Dabattierrunde statt. Die Kinder in dieser Klasse sind 12/13 Jahre alt. Das Thema wurde von der Lehrerin vorgegeben und lautete: "It's better to be a girl". Die Klasse teilte sich in Buben und Mädchen und es ging darum, Pro's und Contra's zu diesem Thema zu finden. Zu Beginn stand ein Mädchen auf und sagte: "Es ist besser eine Frau zu sein, weil ihr Männer sowieso alle Vergewaltiger seid!" Ein Bursche erwiderte: "Dafür seid ihr Frauen alle Betrügerinnen und geht fremd!" Was dann für Aussagen und Geschichten aus dem Alltag der Kinder kamen, kann man sich in unserem Land nur schwer vorstellen. Ein Bursche hat die Frauen beschuldigt, ihre eigenen Kinder auszusetzen (was in den ärmeren sozialen Schichten öfters vorkommt, weil sie überfordert bzw. zu arm sind sich um die Kinder zu kümmern), die Mädchen haben erwidert, dass sie ein Kind nach dem anderen bekommen müssen und von den Männern alleine gelassen werden. Die Frauen müssen arbeiten gehen und sich um die Kinder und den Haushalt kümmern, die Männer sind dafür nicht zuständig. Seit 2014 gibt es auch ein neues Gesetz, das Männern erlaubt, mehrere Frauen zu heiraten, die Frauen dürfen jedoch nur einen Ehemann haben. Auch im Waisenhaus bei den Mädchen ist sexuelle Gewalt an Frauen ein Thema und ein 15jähriges Mädchen hat einmal zu mir gesagt: "Was sollen wir tun? Das ist unser Schicksal, wir haben keine andere Wahl. Das ist in Kenia so."
Aber über dieses Thema werde ich wohl noch einen eigenen Blogeintrag schreiben...
Wer sich doch schon mehr damit auseinandersetzen möchte, hier ein Link über ein Projekt, das sich dafür einsetzt sexuelle Gewalt an Frauen in Kenia und Uganda zu verhindern:
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