Besuch im "The Nest"

Das Säuglingsheim

Heute möchte ich euch von meinem Besuch im "The Nest" erzählen, ein Säuglingsheim, das vor ca. 30 Jahren von einer Münchnerin gegründet wurde. Hier finden bis zu 25 Babies und Kleinkinder im Alter von ein paar Wochen bis zu 3 Jahren ein zu Hause. Die Kinder im "The Nest" wurden entweder stark vernachlässigt oder ausgesetzt. Das jüngste Kind, das bei meinem Besuch da war, war erst 3 Wochen alt und wurde stark unterernährt vor dem Tor des Säuglingsheimes abgegeben und war erst seit etwa einer Woche in der Institution.
Ich habe noch nie zuvor ein Baby gesehen, das in so einem schlechten Gesundheitszustand war. Ich habe nicht gewusst, dass Unterernährung auch zu inneren Blutungen führen kann - bei diesem Baby war dies der Fall. Es konnte auch keinen Blickkontakt halten, geschweige denn Reaktionen zeigen. Nicht einmal weinen konnte es. Die anderen Babies und Kleinkinder sahen teilweise gesund, teilweise aufgrund ihrer Schicksale körperlich beeinträchtigt aus. Ein Kind von etwa 2 Jahren hat sich gleich in mich "verliebt" und wollte, dass ich es die ganze Zeit herumtrage. Der Bub war vor etwa einem Jahr ins Nest gekommen, damals auch schwer unterernährt und auch heute sieht man ihm noch an, dass er schwere Strapazen hinter sich hat. Er ist sehr dünn und hat einen relativ großen Kopf, wobei der Kopf auch ein bisschen deformiert scheint. In seiner kognitiven und sozialen Entwicklung scheint er jedoch laut Personal bis jetzt keine Defizite zu zeigen. Sozialarbeiterinnen kümmern sich um die Kinder und in weiterer Folge werden diese entweder zur Adoption freigegeben oder wenn sie nicht adoptiert werden, dann werden sie mit 3 Jahren in einem Waisenhaus untergebracht.

Mein Eindruck vom Säuglingsheim war sehr positiv. Der Verein finanziert sich über Spenden und es wird sich gut um die Kinder gekümmert. Ich war sehr positiv vom professionellen Umgang der Angestellten überrascht und vor allem auch von der Leiterin Irene, die ihr ganzes Herz und ihre Seele in ihre Institution steckt!

Hier findet ihr nähere Infos dazu:



Das "Halfway House"

Diese Einrichtung gehört auch zum "The Nest" und bietet bis zu 10 Schwangeren oder Müttern mit ihren Kindern Platz zum Wohnen, Begleitung in Strafprozessen und psychologische Betreuung. Manchmal waren die Frauen auch eine bestimmte Zeit inhaftiert, wobei die Gründe dafür vielfältig sind (Diebstahl aufgrund von Armut etc.), ihre Kinder im Säuglingsheim betreut und im Halfway House findet dann nach der Haft die Zusammenführung von Müttern und Kindern statt. Hier kümmern sich auch Sozialarbeiterinnen um die Mütter und deren Kinder - sie sollen angeleitet werden ein eigenständiges Leben mit ihren Kindern führen zu können. Das jüngste Mädchen, das mit ihrem Kind bei meinem Besuch im Halfway House lebte, war 13 Jahre alt. Oft wurden die Mädchen vom eigenen Vater oder einem anderen Verwandten vergewaltigt - rechtliche Konsequenzen gibt es in Kenia für Kindesmissbrauch nahezu keine, weil das Gericht fast immer zugunsten der Täter entscheidet. Wie lange die Mütter und deren Kinder in der Institution leben können, wird individuell von den Sozialarbeiterinnen je nach Bedarf entschieden.

Nähere Informationen zum Thema Inzest und Missbrauch in Kenia findet ihr hier:


Nährere Infos zum Halfway House:



Zum Schluss möchte ich euch erzählen, dass das Halfway House durch eine riesige Shopping Mall (Two Rivers Shopping Mall), die in den vergangenen Jahren in der Nähe gebaut wurde, nahezu unbewohnbar gemacht wurde. Aufgrund der Bauarbeiten entstanden in den Räumlichkeiten große Risse in den Wänden, die Erde sinkte ab etc. Irene, die Leiterin der Institution, kämpft schon seit längerer Zeit mit den Behörden, doch niemand  fühlt sich dafür zuständig, niemand will dafür verantwortlich sein. Irene hat schon mehrere Gutachten erstellen lassen - auch ihr eigenes Haus, das nebenan am Grundstück steht - ist unbewohnbar geworden. In der Nacht ist die Kläranlage, die zur Shopping Mall gehört - so laut, dass man die Vibrationen spürt. Laut einem Gutachten ist der Wert des gesamten Grundstückes des Halfway Houses um 75% gesunken.

Aktuell werden dringend Spenden dafür gesammelt, damit die Mütter mit ihren Kindern in eine andere Unterkunft ziehen können!


Da es in der Einrichtung nicht erlaubt ist zu fotografieren, werde ich diesem Post keine Fotos hinzufügen.

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