Der Glaube an Gott und meine erste Messe in Kenia
In diesem Blogeintrag möchte ich euch darüber erzählen, welch große Rolle Gott im Leben von vielen KenianerInnen spielt:
Die meisten KenianerInnen (über 80%) sind Christen, davon sind wiederum 48% Protestanten. Den Protestantismus hat ein deutscher Missionar der Church Missionary Society, welcher 1844 in Kenia ankam, eingeführt. Er übersetzte auch erstmals eine Bibel auf Suaheli. Durch die Kolonialisierung der Briten, kamen immer mehr Missionare nach Kenia. Durch sie verbreitete sich nicht nur die Religion, sondern es wurde auch viel für die Bildung und die Gesundheitsversorgung gemacht. Viele Schulen und Krankenhäuser wurden von der Kirche gebaut. Zu den protestantischen Religionen gehören die anglikanische Kirche, die Presbyterianische Kirche, Methodisten, Baptisten, Lutheranier und Pfingstkirchen.
Das Mother's Mercy Waisenhaus wurde ursprünglich von einem Bischof der anglikanischen Kirche gegründet. Jeden Morgen vor dem Frühstück werden Gospellieder gesungen und es wird gebetet. In der Schule wird auch vor jeder Mahlzeit gebetet und Religion ist sogar im kenianischen Curriculum verankert. Am Freitag gibt es im Waisenhaus immer eine abendliche Bibelstunde, in der gesungen wird und danach lesen die älteren Kinder aus der Bibel vor bzw. reden über ein bestimmtes Thema aus der Bibel.
Der Sonntag ist für die gläubigen KenianerInnen ein sehr wichtiger Tag, denn es wird der Gottesdienst besucht. Letzte Woche Sonntag war ich das erste Mal dabei und das war eine sehr interessante Erfahrung für mich. Da das Waisenhaus eine Einladung einer Pfarre der anglikanischen Kirche hatte, fuhren wir mit dem Bus dorthin. Die Kinder, die Mothers und die Managerin des Waisenhauses, haben sich für die Messe fein herausgeputzt. Allgemein fiel mir auf, dass es üblich ist, am Sonntag zur Messe die schönste Kleidung zu tragen. Am Vorabend werden daher schon die Schuhe geputzt und noch Wäsche gewaschen falls nötig. Die Messe in der St.Stephen's Church dauerte 3,5 Stunden, wobei sie teilweise auf Englisch und Kikuyu gehalten wurde. Nicht gewusst habe ich, dass an diesem Tag in der Pfarre auch Spenden für das Waisenhaus gesammelt wurden und dass ich mich vor etwa 300 KenianerInnen in der Kirche per Mikrofon vorstellen musste... Ich, als einzige Weiße, habe mich wirklich sehr seltsam dabei gefühlt. Vor allem weil die Kirche in einem Dorf war und dort nicht sehr viele "Ausländer" hinkommen. Die beiden Pfarrer haben sich sehr über meinen Besuch gefreut und mich während der Messe auch öfters persönlich angesprochen.
Sehr cool fand ich, dass eine Band gespielt hat und Gospellieder gesungen wurden. Es wurde geklatscht, getanzt und die Messe war mehr ein Dialog mit den Menschen. Einmal stand sogar jemand auf und hatte eine Frage zu dem was der Pfarrer gesagt hat. Dem Mann wurde dann das Mikrofon gereicht, er durfte seine Frage stellen und diese wurde beantwortet. Schräg fand ich, dass es auch ein Lied gab, dass besonders traurig war und dabei haben viele Leute richtig geweint. Es ging darum, dass Gott uns alle Sünden verzeihen soll, weil wir alle Sünder sind.
Nach der Messe wurde zusammen gegessen. Da ich so freundlich von den Priestern empfangen wurde, ahnte ich schon, dass man mir beim Essen das beste Fleisch auf den Teller legen würde. Ich, bereits seit 14 Jahren Vegetarierin, habe schon während der Messe fieberhaft überlegt, wie ich das ablehnen könnte, ohne unfreundlich zu wirken. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es am besten ist, wenn man sagt, dass man Fleisch aus gesundheitlichen Gründen nicht essen darf oder dass es einem nicht schmeckt. Gesagt, getan. Es wurde schon hinterfragt, aber dann ohne weitere Probleme zur Kenntnis genommen. Da war ich wirklich erleichtert! Zu erwähnen ist vielleicht auch noch, dass ich als "Ehrengast" mit der Managerin und den beiden Pfarrern im schönen Speisesaal essen durfte. Die anderen BesucherInnen der Kirche, auch die Kinder, aßen in separaten Räumen.
Zurückgefahren zum Waisenhaus sind wir erst wieder um 16 Uhr - ich war total müde von der langen Messe und den vielen Eindrücken, aber ich werde auf jeden Fall wieder in die Messe mitgehen!
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| Mein "Kirchenoutfit" |
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| Am Weg zur Kirche |
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| Die Managerin Charity und ich nach dem Essen |
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| Die Kinder haben in der Messe ein Lied gesungen |
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| Der Schulbus und gleichzeitig allgemeine Bus des Waisenhauses, mit dem wir zur Kirche gefahren sind |






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