In Watamu angekommen, hatte ich leider
das Pech, dass ich mit meinem Hotel überhaupt nicht zufrieden war. Erstens war
es nicht sauber und schäbig, zweitens war dort eine ganz komische Atmosphäre –
Männer, die im Eingangsbereich herumgelungert sind usw. Als alleinreisende
Frau bin ich tausend Mal achtsamer was Hotels betrifft, denn Sicherheit geht vor.
Der Hotelmanager war auch so ein dubioser Typ, ausgesehen wie ein Mafioso und
Nebengeschäfte gemacht, geschweige denn jeden Tag laute arabische Musik gehört,
die dann durchs ganze Hotel geschallt hat. Am Abend davor fragte er mich um
welche Zeit ich frühstücken will, ich sagte 9 Uhr – als mir am nächsten Tag
mitgeteilt wurde, dass der Hotelmanager, der auch für das Frühstück
verantwortlich war, noch schlafe (und da war es bereits 9:30 Uhr), habe ich bei
booking.com angerufen und gesagt ich möchte stornieren. Daraufhin hat sich der
Hotelmanager bei mir entschuldigt und mich überredet doch zu bleiben, was ich
leider auch gemacht habe, denn gebessert hat sich die nächsten Tage nichts. Zum
Glück kam Embla an diesem Tag schon angereist und wir haben das Beste aus den
nächsten Tagen gemacht – indem wir fast nie im Hotel waren! Einzig und allein
ein junger Hotelmitarbeiter, Felix, war sehr lieb und mit ihm bin ich heute
noch in Kontakt. Wenn ich wieder in Kenia bin, möchte ich ihn in Samburu
besuchen, wo seine Familie lebt.
Embla ist 27 Jahre alt und
ursprünglich aus Island. Ich hab sie über Facebook in einer Reisegruppe
kennengelernt und da sie auch alleine reist, haben wir beschlossen, einen Teil
unserer Reise gemeinsam zu verbringen. Sie war davor schon einige Monate in
Südafrika, Botsuana, Uganda etc. unterwegs und wir haben ausgemacht, dass wir
uns in Watamu treffen. Ich hatte wirklich ein Glück mit ihr, denn sie ist super
nett und wir haben uns sehr gut verstanden! Im Hotel haben wir auch eine Irin
und einen Engländer kennengelernt – ein total verrücktes, lustiges Pärchen, das
auch am Herumreisen war und mit ihnen haben wir ein paar Tage in einer
Raggae-Strandbar verbracht. Wir waren oft gemeinsam schnorcheln – einmal sogar
zu Sonnenaufgang. Die Strände waren wunderschön und es waren nicht viele
Touristen unterwegs. Die anderen Tage habe ich mit Embla in verschiedenen
Hotelresorts verbracht. In keinem anderen Land habe ich davor in so vielen
verschiedenen Hotelresorts gechillt, wie in Kenia. Man kann einfach reingehen
und zahlt entweder zwischen 3-8€ pro Liege und Tag oder man muss gar nichts
zahlen, wenn man im Restaurant auch was konsumiert. So waren wir in den
schönsten Hotelanlagen, wo wir uns eine Übernachtung gar nicht hätten leisten
können! Ein Highlight unseres Aufenthaltes in Watamu war sicher die spontane
Besichtigung des „Watamu Ecotowers“ – ein Airbnb, das gerade von einer
Kanadierin und einer Österreicherin renoviert wurde und wunderschön ist. Ein
zweites Highlight war die Yogastunde im „Watamu Treehouse“, das gleich neben
dem Ecotower ist. An einem Tag waren wir noch tauchen und haben 2 Tauchgänge
gemacht, bei denen ich unter anderem einen Riffhai, eine große Schildkröte und
einen Stachelrochen gesehen habe!
Da ich an meinem ersten Tag einige
Beachboys kennengelernt habe, die mir ihre Nr gaben, habe ich einen davon als
unseren privaten Mopedfahrer engagiert, was super geklappt hat. Beachboys sind
junge Männer, die am Strand Touren, Ausflüge, Schmuck, Kokosnüsse etc.
verkaufen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie nicht aufdringlich waren,
auch als ich alleine als Frau am Strand unterwegs war. Meistens habe ich mit
ihnen ein bisschen geplaudert und wenn ich meine Ruhe haben wollte, haben sie es
verstanden und mich auch nicht weiter belästigt. Für den Fall, dass ich etwas
über sie buchen möchte, haben sie mir oft ihre Telefonnummer hinterlassen. Ich
finde, dass man durchaus über Beachboys Ausflüge etc. buchen kann, denn es ist
ihre Einnahmequelle und oft ist es genau dieselbe Tour, die Reisebüros oder
Hotels auch anbieten und mit den Beachboys kann man dann auch noch verhandeln.
Alex war deshalb unser „private Beachboy“ für die nächsten Tage und war super
zuverlässig. Durch ihn waren wir in coolen local Restaurants, sind durch
Mangrovenwälder spaziert und haben eine Motorbiketour gemacht, sind dabei 2x
von der extrem korrupten kenianischen Polizei gestoppt worden und mussten
bezahlen um weiterfahren zu dürfen.
Korruption in Kenia: Fast alle
Kenianer haben Angst vor der Polizei, weil sie so korrupt ist. Die Polizei hier
hilft dir nicht, sondern erfindet absichtlich Probleme und lässt dich bezahlen
oder einsperren. Als uns die Polizei aufgehalten hat, hat es sich folgendermaßen
zugetragen: Die Polizei sperrt auf einer Landstraße mittels Spikes beide Seiten
ab und hält dann fast jedes Auto oder Moped auf, das vorbeifährt. Uns haben sie
aufgehalten, sofort den Schlüssel abgezogen und gesagt: „Keinen Führerschein,
keine Zulassung, kein Weiterfahren.“ Dann lassen sie dich am Straßenrand warten
und andere (mit Maschinengewehren bewaffnete) Polizisten halten inzwischen
andere Fahrzeuge auf. Unser Freund Alex hat versucht mit den Polizisten zu
verhandeln – im Endeffekt mussten wir umgerechnet 10€ bezahlen und durften dann
weiterfahren. Führerschein und Zulassung hatte er, aber das interessierte die
Polizisten nicht. Das zweite Mal übrigens sind einige Polizisten übrigens zu
Embla und mir gekommen, haben uns angesehen und lächelnd gesagt: „So, wer von
euch wird jetzt meine Frau?“ In dieser Situation hatte ich ein sehr ungutes
Gefühl, da ich einfach nicht gewusst habe, wie ich reagieren soll bzw. was
jetzt gleich passieren würde. Ich habe nur gelächelt und mir gewünscht, dass sie
uns weiterfahren lassen, was sie dann letztendlich auch getan haben.
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