Shambaa-Rituale und Sklavenhandel im Inselparadies Sansibar: Nordtansania Teil 2

Fortsetzung von Teil 1:


4) In Arusha verbrachten wir nun nochmal einen Tag, um unsere Röcke vom Schneider abzuholen und uns den Stadtmarkt "Central Market" anzusehen, der ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt für den Handel innerhalb Tansanias ist. 
Ich bin ja eine Liebhaberin von "local experiences", das heißt am besten viel mit Einheimischen abseits von den Touristenattraktionen unternehmen und dadurch das "richtige tansanianische Leben" kennenlernen bzw. dadurch auch die Community unterstützen. Als wir beim Schneider waren, haben wir Lorri kennengelernt, einen netten jungen Mann, der uns durch den Central Market geführt hat. Ich war zwar ein bisschen skeptisch, weil mir zuvor schon einmal jemand erzählt hat, dass Touristen da manchmal überfallen werden, aber meine Ängste waren umsonst und ich habe sogar heute noch Kontakt mit Lorri.

Das Spannendste für mich war auf jeden Fall der Besuch beim Maasai-Doktor, der mitten im Central Market zu finden ist. Patienten gehen dorthin, erzählen dem Mann kurz was sie für Beschwerden haben und daraufhin gibt er ihnen ein pflanzliches Heilmittel. Es gibt ganz viele verschiedene Arten von Rinden, Ästen, Pflanzensamen und Pulver. Ich wollte unbedingt etwas kaufen und somit habe ich einen Schlaftrunk gekauft - also ein Pulver, dass man vor dem Schlafengehen in ein wenig Wasser mischt und dann trinkt. Ein Maasaifreund von mir hat mir erzählt, dass ich aufpassen solle, weil es sein kann, dass ich dann 3 Tage durchschlafe... Ich hab den Trunk einmal probiert, er hat nach nichts geschmeckt und geschlafen hab ich eigentlich ganz normal. Aber gut, ausprobiert hätt ichs! ;-)
Zum Schluss habe ich zum Spaß selbst Gewürze am Markt verkauft, was die Einheimischen und auch ich sehr lustig fanden. Ich mag an den Menschen in Ostafrika, dass sie Humor haben und nicht alles ganz so ernst nehmen! Ganz nach dem Motto "Hakuna Matata" - "Mach dir keine Sorgen".

5) Usambara Berge: Das Leben der Shambaa-Volksgruppe

8 Stunden sind wir mit dem Bus nach Lushoto gefahren, eine Kleinstadt in Tansania, die 1898 in der deutschen Kolonialzeit gegründet wurde und in den Usambara-Bergen, im Nordosten Tansanias, liegt. Die Usambara-Berge wurden von den Deutschen damals gerne als Feriendomizil genutzt. Aus diesem Grund findet man in der Gegend auch heute noch Gebäude aus der deutschen Kolonialzeit wie z.B. alte deutsche Bauernhöfe oder Kirchen. Sie haben dort jedoch auch Plantagen, Farmen und eine landwirtschaftliche Forschungsstationen errichtet.

In Lushoto haben wir die erste Nacht in einem Hotel geschlafen, am nächsten Tag gings dann zu Fuß mit unserem Guide Charles durch den Regenwald und durch kleine Bergdörfer. In den Usambara-Bergen leben ca. 500 000 Menschen, die zur Volksgruppe der Shambaa gehören und die sich vor etwa 200 Jahren in diesem Gebiet angesiedelt haben. Die Sprache der Shambaa ist Shambala - in der Schule wird Kisuaheli gelernt. Die Leute leben in Hütten/ Häusern aus Lehm oder Stein und arbeiten großteils als Bauern. Die meisten Menschen haben einen Naturglauben, sie glauben an die Kräfte der Natur, an Übernatürliches/ Geisterwesen und traditionelle (Heilungs-)rituale. In manchen Dörfern gibt es Medizinmann - den Standort des Medizinmannes kann man daran erkennen, dass eine schwarze Fahne vor einem großen Baum angebracht wird. Wenn der Medizinmann stirbt, werden alle männlichen Familienmitglieder zusammengerufen und stellen sich in einem Kreis auf. Dann wird ein Huhn in der Mitte des Kreises geköpft. Es läuft dann noch weiter und vor wessen Füße es stirbt, der wird der neue Medizinmann. Die Kleidung der Shambaa ist übrigens sehr vom muslimischen Glauben beeinflusst - die Männer tragen lange Kleider und Kappen, die Frauen lange, bunte Tücher um den Körper (khangas, kitenges), auch um das Haar zu bedecken.

Mehr über die Geschichte der Usambara-Berge:

Mehr über die Shambaa-Volksgruppe:


Nach 27 km und 6 Stunden sind wir in einem christlichen Kloster, mitten in den Bergen, ohne Handyempfang, angekommen und haben dort die Nacht verbracht.
Am nächsten Tag sind wir 5 Stunden und 15 km weiter durch verschiedene Dörfer und Felder gegangen, haben eine Töpferei besucht und sind am Nachmittag in unserer Unterkunft, einer Lodge, angekommen. Hier hatten wir einen wunderschönen Ausblick über die Usambara-Berge.
Am Abend wanderten wir noch einmal eine Stunde zu einem Aussichtspunkt, um den Sonnenuntergang zu sehen und waren am Markt, wo wir lokales Essen zum Kosten gekauft haben.

Am dritten Tag sind wir um 5 Uhr früh mit dem Bus zurück nach Lushoto gefahren, das war eine sehr aufregende Fahrt, weil es die ganze Nacht durchgeregnet hat und die "Straßen" schlammig waren. Einmal mussten wir aussteigen und weitergehen, weil der Busfahrer nicht wusste, ob der Bus durch den Schlamm kommen würde. Er hat es geschafft und die Weiterfahrt war noch immer spektakulär - ein paar Mal war der Bus so schief, dass ich dachte, er würde gleich umkippen... mir war schon ganz schlecht. In Gedanken hab ich das Szenario durchgespielt und gedacht, dass bei uns in Österreich dann wahrscheinlich ein kleiner Artikel in der Zeitung gewesen wäre: "Bus mit 70 Insassen in Tansania verunglückt. 2 Österreicherinnen starben."... schrecklicher Gedanke! Aber Gott sei Dank ging alles gut und nach 4 Stunden haben wir dann Lushoto endlich erreicht! Dort blieben wir noch eine Nacht im Hotel und am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus nach Dar Es Salaam.

6) Sansibar

Nach 8 Stunden Busfahrt waren wir endlich in der ehemaligen Hauptstadt, welche auch heute noch ein wichtiger wirtschaftlicher und kultureller Angelpunkt in Tansania ist. Von Dar Es Salaam sind wir mit der Fähre 2 Stunden lang nach Sansibar gefahren, eine Insel an der Küste Tansanias. In Sansibar City ("Stone Town") waren wir dann eine Nacht in einem extrem schäbigen, aber relativ billigen "Hotel". Es war eigentlich mehr eine Absteige und deshalb sind wir am nächsten Tag in ein schöneres, aber teureres Hotel umgezogen und waren dann noch eine Nacht in Sansibar City. Sansibar City wurde 1698 von den Arabern erbaut und hat deshalb einen typischen "Swahili-Charme". Das heißt, die Stadt ist in engen Gassen aufgebaut, die meisten Häuser in der Altstadt sind aus Korallengestein gebaut und deren Türen sind groß, aus Holz und mit prächtigen Schnitzereien.
Die meisten EinwohnerInnen sind Muslime und deshalb findet man auch viele Moscheen. Sansibar City hat mich sehr an Mombasa und Lamu erinnert, 2 Städte in Kenia, die auch von den Arabern erbaut wurden und eine ähnliche Geschichte haben.

Apropos Geschichte: Sansibar City war bis 1964 unter arabischer Herrschaft (Sultanat Sansibar/ Sitz des Sultans von Oman) und auch lange das Zentrum des ostafrikanischen Sklavenmarkts (ca. 1800-1909). Von Sansibar aus wurden AfrikanerInnen in die Arabische Welt, aber auch nach Asien oder auf Inseln im Indischen Ozean verschifft und mussten dort unter schlimmen Bedingungen arbeiten. Sabrina und ich haben uns die "Slave Trade Exhibition" in Sansibar City angesehen, die sehr aufschlussreich war. Wir waren auch in der Anglikanischen Kirche, die heute dort steht, wo früher der Sklavenmarkt war. Der Altar der Kirche wurde an jener Stelle errichtet, an dem die Sklaven öffentlich ausgepeitscht wurden. Unter der Kirche sind heute noch die Sklavenkammern zu sehen. Dort wurden die Menschen oft tagelang eingesperrt, ohne Wasser, ohne Licht - auch Frauen und Kinder. Wer überlebt hat, wurde dann am Sklavenmarkt verkauft und verschifft.
Die Führung und die Ausstellung waren sehr interessant, aber gleichzeitig waren wir schockiert über die Fakten, die wir über den ostafrikanischen Sklavenhandel erfahren haben.

Mehr zu dem Thema:
https://afrika4teens.de/die-geschichte-afrikas/der-sklavenhandel-in-afrika/

https://de.wikipedia.org/wiki/Ostafrikanischer_Sklavenhandel

Ein gutes Video zum Thema Sklavenhandel unter arabischer Hand:
https://www.youtube.com/watch?v=5OdIqeWkhHU&t=443s


Die nächsten 7 Tage haben wir in Jambiani verbracht, eine Gegend im Südosten der Insel. Dort wohnten wir einem Bungalow direkt am Strand. Es waren nur wenig Touristen dort und wir waren die meiste Zeit mit Einheimischen unterwegs, aber auch mit 2 Mädels, die ich zufällig im Dezember in Kenia schon kennengelernt habe und die jetzt in Jambiani wohnten. Einmal haben wir einen Bootsausflug gemacht und waren in kristallklarem Wasser schnorcheln. Das war wirklich traumhaft!! Leider kam am Rückweg ein Gewitter auf... Das war auch ganz interessant - mitten am Meer in einem kleinen Boot und strömender Regen. Untertags waren wir meistens in irgendwelchen Hotelresorts - so wie auch in Kenia, ist es in Tansania überhaupt kein Problem als Tagesgast in Hotelanlagen zu spazieren und sich dort aufzuhalten, wenn man etwas konsumiert. Ein Highlight war sicher auch das berühmte "The Rock Restaurant" - ein Restaurant auf einem Felsen im Meer. Nach 1 Woche fuhren wir in den Norden der Insel, nach Nungwi, und blieben dort noch 3 Tage. Sabrina war in Nungwi einen Tag tauchen - ich konnte leider nicht, da ich eine Ohrentzündung hatte. Aber angeblich war es sehr schön und neben Fischen hat sie sogar eine Schildkröte vorbeischwimmen gesehen! Mir persönlich hat Nungwi nicht so gut gefallen wie Jambiani, weil es viel touristischer ist. Aber im Endeffekt war es auch schön zu sehen und wenn man weiß, auf welchem Strandabschnitt nicht so viele Touristen (und Beachboys) sind, dann ist es noch schöner! ;-)


Leider war unsere Reise nach 4 Wochen zu Ende und Sabrina  flog am 12.3. zurück nach Wien.

Ich wäre eigentlich noch 2 weitere Wochen in Sansibar geblieben... warum dann doch alles anders gekommen ist und warum ich nach 3 Tagen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus Tansania ausgereist bin, werdet ihr in meinem nächsten Blogeintrag lesen!


Beim Maasai Doktor

Gewürze in Arusha verkaufen

Auf der Busfahrt nach Dar Es Salaam, haben Leute auf der Straße immer wieder
Obst, Gemüse und andere Sachen verkauft

In den Usambara Bergen leben viele Chamäleons

Wanderung durch Bananenplantagen

Picknick am Berg

Wanderung durch kleine Bergdörfer -
 hier sieht man einige Mädchen zur Schule gehen

Am Weg zum Kloster

Das christliche Kloster in den Usambara Bergen

Neugierige Kinder begrüßen uns am Weg



Blick über die Usambara Berge

Eindrücke aus den Dörfern...




Die Töpferei

Unsere Lodge

Endlich geschafft - wir sind oben angekommen!

Am Markt

Sonnenuntergang über den Bergen

Rückfahrt mit dem Bus: Als wir aussteigen mussten,
weil der Weg zu gefährlich war

Sansibar City


Zanzibar Coffee House: Kaffee wird gemahlen

Anglikanische Kirche: Hier war einst der größte Sklavenmarkt Ostafrikas

Ein Kunstwerk erinnert an die tragische Geschichte


Eingang zu den Sklavenkammern

Auch heute findet man noch die Ketten in den Sklavenkammern,
an denen die Sklaven an den Füßen aneinandergekettet waren


Die Ausstellung



Lieblingscafé in Stone Town: Das Charity Café "Café Africa & Shops"
(https://vassalam.org/)

Mit einer griechischen Touristin/Aktivistin und dem Kellner des Cafés

Muster einer schönen Swahili-Tür





Mit unseren einheimischen Freunden in Sansibar City

Jambiani <3

Unser kleiner Gast - die Katzen der Nachbarn haben uns in
unserem Bungalow immer wieder besucht

Bootsausflug



Schnorcheltour

Frühstück holen: frische Chapati *lecker*

Während man auf das Frühstück wartet, kann es sein,
dass man sich spontan um die Kinder der Frauen kümmern muss :-) 

Links am Bild befand sich unser Bungalow in Jambiani

Unser Lieblingshotelresort in Jambiani:
New Teddy's on the beach

Maasai beim Fußball spielen am Strand:
Manche Maasai kommen nach Sansibar um zu arbeiten -
die meisten davon sind jedoch "Fake-Maasai",
also Einheimische, die sich für die Touristen wie Maasai kleiden

Einheimische Frauen am Strand

In Sansibar haben wir es uns richtig gut gehen lassen :-)

The Rock Restaurant

Nachtspaziergang

Vollmond in Jambiani

Local food: Chipsi Mayai (Pommes-Omelette)
in Nungwi

Maasai-Beachboys beim Billiard spielen

Nungwi Beach

Einheimische Frauen verkaufen Mandazi am Strand

In den Strandrestaurants gibt es frischen Fisch
und Meeresfrüchte zu essen

Ein letzter Cocktail vor dem Heimflug von Sabrina

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Mein Leben als Mzungu (Weiße)

Der Glaube an Gott und meine erste Messe in Kenia

Safari na dada yangu - Nordtansania Teil 1