Eigentlich schulde ich euch ja noch die anderen Teile meiner Keniareise, aber ich habe beschlossen, einen Sprung zu machen und euch einen kleinen Einblick in mein derzeitiges Leben in Tansania zu geben. Die anderen Kenia-Teile kommen aber noch - versprochen! ;-)
Ich bin nun seit 09.01.2020 in Tansania, genau genommen in der Nähe von Momella, Nordtansania, gleich neben dem Arusha Nationalpark.
Das Projekt in dem ich als Freiwillige arbeite nennt sich "Africa Amini Alama" und wurde von der österreichischen Ärztin Christine Wallner im Mai 2010 gegründet. In Momella befindet sich ein Krankenhaus mit Geburtenstation, Röngten und ein Wundheilungszentrum. Da die meisten Menschen hier nicht versichert sind, können sie sich die medizinische Behandlung in Krankenhäusern meistens nicht leisten. Africa Amini Alama übernimmt den Versicherungsbeitrag für viele Menschen hier in der Umgebung und finanziert dies durch Spendeneinnahmen. Der Versicherungsbeitrag für eine Familie mit 6 Personen kostet 7€ im Jahr. Außerdem gibt es auch noch ein Healing Center, in dem naturheilkundliche Behandlungsmethoden angeboten werden.
Neben dem Krankenhaus gibt es auch noch ein kleines Restaurant, eine Computerschule und 2 andere Schulen in Momella, die von Africa Amini Alama geführt werden.
Auf dem Gelände befinden sich auch noch einige Arbeiterwohnungen, Volunteerunterkünfte, Büros, eine Schneiderei und ein Waisenhaus mit etwa 42 Kindern im Alter zwischen 2 und 17 Jahren.
Als ich angekommen bin, war ich ein paar Tage in Momella, wo auch die anderen Volunteers sind, die im medizinischen oder pädagogischen Bereich mithelfen. Ein paar Tage später bin ich jedoch an einen anderen Ort gebracht worden, wo es eine Sekundarschule und eine Volksschule gibt. Dieser Ort befindet sich etwa 40 Minuten Autofahrt entfernt im Maasailand, wo es weit und breit nichts gibt außer Hügellandschaft, auf denen Schafe, Ziegen und Kühe grasen. Vereinzelt sieht man Lehmhütten, manchmal auch kleine Ziegelhäuser, in denen die Bevölkerung lebt. Der nächste Shop, in dem man zumindest Wasser kaufen kann, ist in Ngabobo, etwa eine Stunde zu Fuß von der Schule entfernt. Auto hat hier fast niemand.
Die erste Woche habe ich in der Montessori Klasse der Maasai Vision Schule mitgeholfen. In der Vorschulklasse sind zurzeit 35 Kinder im Alter von 3,5 bis 6 Jahren und der Unterricht orientiert sich an Freispiel mit Montessorimaterialien, die Kinder lernen jedoch auch schon Schreiben, Lesen, Rechnen und sehr wichtig ist vor allem das Englisch und Kisuaheli lernen.
Hier in der Umgebung gibt es 2 Volksstämme - Meru und Maasai. Aus diesem Grund ist die Erstsprache der Kinder entweder Meru oder Maa. In manchen Volksschulen in der Umgebung wird nur Kisuaheli gesprochen - da jedoch die weiterführenden Schulen (Secondary Schools) in Tansania auf Englisch sind, ist es umso wichtiger, dass die Kinder auch früh genug Englisch lernen.
Die zweite Woche habe ich im Englischunterricht in der Secondary School als Assistenzlehrerin mitgeholfen (ca. 16/ 17jährige SchülerInnen), Physiktests korrigiert und dem 17jährigen Maasai Pflegesohn von Christine Englisch Nachhilfeunterricht gegeben.
In meiner dritten Woche hatte ich frei und war ein paar Tage mit den anderen Volunteers in der Maasai Lodge. Für mich war es nicht das erste Mal in der Lodge, da sie ein Fußweg von ca. 15 Minuten von der Pamoja Secondary School entfernt ist und ich in meiner Freizeit manchmal zum Schwimmen dort war. Das ist der einzige Luxus, den ich mir im Maasailand manchmal gönnen darf! :)
Link zur Lodge: https://africaaminilife.com/maasai-lodge/#unterkunft
In der vierten und fünften Woche in Tansania habe ich bei den Erste Hilfe Kursen mitgeholfen, die von europäischen Ärzten für die Mitarbeiter des Projekts, sowie für die LehrerInnen an den Schulen organisiert wurden. Das war interessant und gleichzeitig irgendwie auch kurios für mich, da ich mir im Leben nie gedacht hätte, dass ich mal einem Maasai in Tansania die stabile Seitenlage lernen würde...
Ein paar Mal war ich auch bei den Kindern im Waisenhaus, einmal waren wir wandern (das war so anstrengend....doch die Kinder hier haben extrem viel Energie - sogar ein Kind mit Krücken und nur einem Bein hat es OHNE HILFE auf den Berg geschafft!!) und spazieren zum Fluss, in den die Kinder gerne baden gehen.
Ein anderes Mal war ich im Fundi Center mit, ein Ausbildungszentrum von Africa Amini Alama, in denen Jugendliche und junge Erwachsene einen Lehrberuf lernen können. Hier finden auch zwei Mal in der Woche Englischkurse statt, die von den Volunteers gestaltet werden.
Ein Wochenende war ich mit den anderen Volunteers in Arusha, die zweitgrößte Stadt in Tansania mit ca. 500 000 Einwohnern, welche eine ca. 2stündige Autofahrt von Momella entfernt ist. Hier waren wir am Maasaimarkt, auf dem Frauen handgefertigten Schmuck verkaufen und Männer andere Sachen wie z.B. Deko. Es gibt auch einen großen Central Market, auf dem frisches Obst und Gemüse, Nüsse, Gewürze, Fleisch, Getreide, Bohnen etc. verkauft wird. Daneben befindet sich ein Stoffmarkt, auf dem man Stoffe einkaufen und diese dann in den kleinen Schneidereien verarbeiten lassen kann. Ich persönlich LIEBE diese Märkte. Es ist zwar extrem hektisch und viel los, aber es ist ein tolles "local experience". Die meisten Dinge sind auf den Märkten billiger als in Supermärkten. Generell sind Supermärkte eigentlich (fast) nur für Ausländer/ Touristen... die Einheimischen kaufen fast alle auf den Straßenmärkten ein. Es gibt auch einen rießigen Second Hand Markt, auf dem Schuhe, Kleidung, Taschen und Rucksäcke verkauft werden, die wir in Europa in die Altkleidersammlung geben. Die Dinge sehen meistens aber noch so gut aus, dass sie neu sein könnten. Ich habe mir z.B. original Nike Schuhe am Markt für umgerechnet 12€ gekauft. Am Abend waren wir - griechisch! - Essen und dann in einem local Club. Was ich in Ostafrika liebe ist, dass die Menschen gerne feiern und sowohl Frauen, als auch Männer tanzen!
Seit einiger Zeit habe ich den Englischunterricht in einer Klasse in der Pamoja Secondary School komplett übernommen. In der Klasse sind 35 SchülerInnen, die teilweise kaum Englisch sprechen, da sie davor in einer Schule waren, in der nur Kisuaheli gesprochen wurde. Die Jugendlichen sind zwischen 13 und 15 Jahre alt und sehr interessiert. Das Schwierigste für mich ist, dass sie aus komplett anderen Lebenswelten wie unsere Kinder kommen und ich die Themen daher auch an ihre Lebenswelt anpassen muss. Ich bereite den Unterricht mit 5 verschiedenen Lehrbüchern vor, weil keines davon so richtig passt. Als kleines Beispiel: Unterrichtsthema "directions". Macht man bei uns schon in der Volksschule mit den Kindern und die Kinder sollen dann z. B. ihren Schulweg beschreiben. Wie würde das hier im Maasailand aussehen: Ich verlasse meine Hütte, gehe den einzigen Weg den es gibt entlang, quer durch die Steppe, am großen Stein rechts, vorbei an der Ziegenherde.... nach ein paar Kilometer erreiche ich die Schule. ;-) Oder das Thema "food"... Die meisten Kinder hier kennen nur Reis, Bohnen, Ugali, Mais und Kraut. Vielleicht noch ein paar Früchte wie z.B. Bananen oder Orangen. Milch gibt es hier kaum, Eier sind sehr teuer. Fleisch ist auch teuer und gibt es maximal 2x die Woche. Abwechslungsreiches Essen gibt es kaum, weil es einfach zu teuer ist. Gegessen wird also was selbst angebaut wird.
Am Abend gebe ich noch einen zusätzlichen Englischkurs für 15 Jugendliche, die noch mehr Förderung brauchen. Ich liebe das Unterrichten hier, weil die SchülerInnen sehr interessiert sind und auch sehr dankbar!
Thema Hobbies: Ich war ja sehr erstaunt, als ich herausfand, dass die SchülerInnen hier relativ wenig Hobbies haben. In der Schule spielen die Buben manchmal Fußball, die Mädchen Netzball, aber generell findet unter der Woche bis 22 Uhr (!!) Unterricht statt. In der Freizeit wird Wäsche gewaschen, geputzt, Feuerholz gehackt und beim Kochen geholfen. Manchmal hacken die Jugendlichen am Nachmittag stundenlang Holz. Einmal hab ich sie gefragt, warum sie das tun und die Antwort der Mädchen war, weil sie das zuhause auch machen. Auf meine Frage, was sie machen, wenn sie gerade nicht Holz hacken, haben sie geantwortet, dass sie entweder Holz sammeln gehen, Kochen oder auf die Viehherden aufpassen. Das ist der Lebensalltag vieler Menschen hier.
An 2 Tagen wurde in der Pamoja Secondary School auch eine gesundheitliche Überprüfung der SchülerInnen gemacht und eine Sozialanamnese gemacht, die unter anderem ich erstellt habe. In der Sozialanamnese ging es vor allem um die familiären Hintergründe der Kinder. Da ich so etwas aus meiner Arbeit als Sozialpädagogin schon kenne, war es sehr interessant für mich. Der größte Unterschied war jedoch der, dass die Fragen anders waren, die ich den Kindern gestellt habe. Ein Vorgefertigtes Formular gab es nicht, deshalb musste ich mir die Fragen gemeinsam mit einer Ärztin selbst überlegen. Einige der Fragen waren z.B.:
- Frage nach dem Volksstamm
- Lebst du mit deiner Mutter/ deinem Vater in einer Hütte oder einem Haus?
- Wie viele Frauen hat dein Vater? (Maasai leben in Polygamie)
- Wie viele Geschwister hast du? Wie viele Kinder hat die 2./3.... Frau deines Vaters?
- Frage nach dem Wohlstand: Wie viele Ziegen/ Schafe/ Kühe habt ihr?
- Habt ihr Landbesitz/ Felder?
- Bist du gerne zuhause? Bekommt ihr auch manchmal Spielzeug/ neue Kleidung?
...
Durch die Sozialanamnese habe ich noch mehr Einblick in das Leben der Jugendlichen bekommen. Viele von ihnen müssen sehr viel zu Hause helfen. Leider ist Gewalt in der Familie bei den meisten Familien an der Tagesordnung. Kinderehen und Beschneidung der Männer und (!) Frauen gehören zum Lebensalltag von den Menschen hier.
Zum Schluss möchte ich euch noch sagen, dass es mir sehr gut in Tansania gefällt. Es ist ähnlich wie in Kenia, aber wieder komplett anders. Der größte Unterschied für mich ist, dass ich im Projekt in Kenia in der Nähe von Nairobi, einer Weltstadt war, die mit europäischen Städten locker mithalten kann. Hier bin ich wirklich irgendwo im Nirgendwo und lebe das Leben der Einheimischen mit. Nach einigen Wochen finde ich es nicht mehr schwierig nur mit den wesentlichsten Dingen auszukommen. Eines der wichtigsten Dinge, die ich hier in Tansania gelernt habe ist, dass die Menschen auch ohne viele Dinge glücklich sind. Seit ich hier am Fuße des Kilimanjaro angekommen bin, habe ich eine innerliche Ruhe gefunden, die ich seit Jahren nicht hatte. Das Leben in und mit der Natur und die Entschleunigung des Alltags haben eine unglaublich positive Wirkung auf mich!
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| Das Projekt in Momella |
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| Pamoja Secondary School |
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| Kochen in meinem kleinen Zimmer |
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| Vorschulklasse in der Maasai Vision Primary School |
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| Maasaischmuck |
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| Chillen in der Lodge |
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| Von Natur umgeben |
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| In der Schneiderei in Momella |
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| Wandern auf den Mount Mukuru mit den Kids |
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| Maasaikrieger als Schutz vor wilden Tieren auf der Wanderung |
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| Wir Volunteers |
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| Yogalehrerin Simone mit den anderen Volunteers |
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| Ziegenfleisch am Feuer und Knochensuppe mit Kräutern aus dem Maasailand |
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| Giraffen in Momella |
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| Gewürze in Arusha |
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Steine - vor allem Frauen in der Schwangerschaft essen
zermalene Steine, wegen des hohen Magnesiumgehalts |
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| Maasaifrauen verkaufen Selbstgemachtes |
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| Die Ziegen werden am Markt verkauft |
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| Im Englischunterricht |
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Nur ausschließlich am Freitag ist Markttag. Dann kommen alle Einheimischen
in der Umgebung zusammen und es werden Dinge verkauft/ gekauft |
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