Mein Leben als Mzungu (Weiße)

Viele Leute fragen mich, wie es mir als „Ausländerin“ in Kenia geht und deshalb möchte ich darüber berichten.

1. Verhalten auf der Straße:

Es ist mein erstes Mal, dass ich als weiße Frau alleine in einem Land bin, in dem überwiegend dunkelhäutige Menschen leben. Am Anfang war es befremdlich für mich, dass ich in vielen Gegenden nicht alleine durch die Straßen gehen und nach Einbruch der Dunkelheit überhaupt nicht mehr rausgehen soll. Der Grund dafür ist, dass man als weißer Mensch (auf Kisuaheli „Mzungu“) sehr leicht ausgeraubt wird, weil viele Leute hier denken, dass die Weißen alle reich sind. Für mich, als ein Mensch, der sich nur schwer einschränken lässt, waren diese Regeln wirklich schwierig und somit habe ich auch einen Weg gefunden, der bis jetzt gut funktioniert hat. Ich fahre hauptsächlich mit dem Taxi (Uber oder Bolt), weil das hier in Kenia sehr billig ist. Es gibt auch öffentliche Verkehrsmittel (Kleinbusse, die „Matatu“ heißen) und ich bin schon ein paar Mal damit gefahren, aber ich fühle mich nicht so wohl dabei. Erstens die Angst, dass ich ausgeraubt werde und zweitens, weil ich dann als einzige weiße Frau in einen kleinen Bus gepfercht werde, wo die Menschen teils übereinandergereiht werden, da sie in diesen Verkehrsmitteln so viele Leute wie möglich transportieren wollen. Schon langsam gewöhne ich mich an die Blicke der Leute um mich herum – ich werde ständig angesprochen und angestarrt. Am Anfang war ich mit der Situation überfordert, aber schon langsam gewöhne ich mich daran. Ich als weiße Frau, kann nicht einfach auf der Straße gehen, ohne dass mir jemand „Hey Mzungu!“ zuruft und mit mir reden will. In Nairobi Town ist es mir schon ein paar Mal passiert, dass jemand mit mir ein Foto machen wollte. Ich fühlte mich in diesen Situationen oft belästigt und zu Beginn überfordert. Heute, nach 9 Wochen, sehe ich dem schon gelassener entgegen. Oft grüße ich dann einfach nur zurück, die Leute fragen woher ich komme usw. Böse Absichten habe ich bis jetzt noch nicht erlebt und ich habe gelernt, dass „Nein“ zu sagen sehr, sehr wichtig ist. Oft wurde ich schon nach meiner Telefonnummer gefragt. Das Gute daran ist, dass die meisten Menschen hier ein einfaches Nein verstehen.


Sich frei bewegen können - hier im Karura Forest


2. „Mzungu“ = Statussymbol

Womit ich ein großes Problem habe, ist, dass viele Einheimische einen weißen Menschen als Freund haben wollen, weil das hier als eine Art „Statussymbol“ gilt. Sie sind besonders nett zu dir und laden dich zu sich nach Hause oder in die Kirche ein, aber nicht weil sie dich so gern haben, sondern weil sie dich in der Community vorführen wollen. Das ist mir schon ein paar Mal passiert und einmal war ich nervlich komplett fertig, weil ich mich wie ein Zirkuspferd gefühlt habe, dass stundenlang vorgeführt wird und auch noch vor hunderten Leuten reden musste. Und das nur, weil ich weiß bin. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass dann auch oft um Geld oder Spenden gebettelt wird und das ist das nächste, das ich absolut nicht leiden kann. Irgendwer ist immer krank und irgendwer kann sich irgendwas nicht leisten. Geschweigedenn, dass oftmals verlangt wird, der Weiße, hat die (Restaurant)rechnung zu bezahlen, weil der ja eh so reich ist. Und mit dem kann ich halt gar nicht. Ich bezahle gerne, wenn ich es von mir aus mache, aber nicht, wenn ich dazu gedrängt werde. Leider musste ich lernen, dass man sehr, sehr vorsichtig sein muss und niemandem einfach so vertrauen kann.

3. Die für mich unerträgliche Nähe

Dieser Punkt betrifft nur die Kinder. Als weißer Mensch ist man für viele Kinder etwas Besonderes und deshalb greifen sie mich auch dauernd an. Am Anfang war es einigermaßen ok für mich, aber glaubt mir, es ist nicht schön, wenn plötzlich 20, 30, 40 Kinder um dich herum stehen und dich fast erdrücken, weil sie dich berühren wollen. Auch, dass sie mir ständig durch die Haare fahren, halte ich überhaupt nicht aus. Man muss hier ganz klare Grenzen setzen und Nein sagen – oft schiebe ich sie dann auch behutsam auf die Seite und sage ganz klar, dass das zu nah ist. Warum wollen Kinder weiße Menschen angreifen? Erstens, weil viele Kinder noch nie einen weißen Menschen gesehen haben. Sie wollen deine Haut berühren und spüren, wie sich das anfühlt (dunkelhäutige Menschen haben tatsächlich eine viel festere Haut, als wir weißen Menschen). Zweitens haben sie keine Haare auf Armen und Beinen. Für die Kinder ist das faszinierend meine Unterarme zu betrachten, oft fragen sie, warum ich Haare auf den Unterarmen habe. Einmal hat ein Kind einen weißen Mann gefragt, was er für eine Krankheit hat, dass er Haare auf den Beinen hat. Muttermale sind genauso interessant, weil sie das nicht kennen. Und natürlich die Haare am Kopf. Da Afrikaner oft krauses Haar haben, lieben sie das weiche Haar von uns Mzungus. Sie könnten uns stundenlang über den Kopf streichen. Leider werden manche Kinder dann oft grenzenlos wollen meine Wimpern angreifen (dabei fahren sie mir ins Auge) usw. Aus dem Grund musste ich lernen, mich auch hier abzugrenzen.


Dieser Schulbesuch bedurfte Begleitschutz, weil es für mich unmöglich war,
alleine über das Schulgelände zu spazieren, ohne dass mir die Kinder fast die Haare ausgerissen hätten

4. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit mir gegenüber

Leider gibt es auch Einheimische, die weiße Menschen nicht willkommen heißen. Und das verstehe ich zum Teil auch. Viele weiße Menschen kommen in afrikanische Länder und wollen den Menschen hier vermitteln, wie sie ihr Leben zu leben haben, ihr Business zu gestalten haben und so weiter. Das Bild, das wir den Menschen hier vermitteln ist, dass wir „reichen, weißen Menschen“ in ein armes Land kommen und den Leuten sagen wollen, wie sie leben sollen. Damit macht man sich nicht immer Freunde, was ich auch verstehen kann. Kolonialisierung lässt grüßen! Obwohl ich mit der Einstellung hergekommen bin, dass es ein Geben und Nehmen von beiden Seiten ist, bin ich hier schon auf Rassismus und Fremdenfeindlichkeit mit gegenüber gestoßen. Aussagen wie „Ihr weißen Menschen arbeitet ja ohnehin nichts“ und abwertend belächelt zu werden, zeigten mir, dass mich nicht jede/r hier willkommen heißt.

5. Abzocke

Aufgrund der Annahme, dass weiße Menschen reich sind, wird oft das Doppelte  bis Zehnfache des Preises verlangt. Das betrifft nicht nur die Eintritte in die Nationalparks, sondern auch das Einkaufen auf Straßenmärkten oder die Tickets für öffentliche Verkehrsmittel. Aus dem Grund war ich noch nie alleine auf einem Straßenmarkt, sondern immer mit einem Einheimischen, da dieser die ortsüblichen Preise kennt und ich somit nicht so viel bezahlen muss. Oder ich gehe in ein Geschäft mit fixen Preisen, was zwar oft ein bisschen teurer als auf den Straßenmärkten ist, aber noch lange nicht so teuer, als wenn sie mich abzocken würden. Außerdem erspare ich mir das Verhandeln, wenn ich in richtige Geschäfte gehe – und ich hasse verhandeln!
Straßenmarkt


Am Straßenmarkt wird oft Zuckerrohr verkauft, das man essen kann (sehr süß!)

6. Was ich in Kenia vermisse

Zuerst einmal – ich liebe Kenia (bis jetzt). Trotz mancher Hürden, ist es eines der schönsten Länder, die ich bisher besucht habe. Ich liebe die Vielfältigkeit und vor allem die Schönheit der Natur hier. Was ich vermisse ist in erster Linie guter Kaffee. Obwohl ein Hauptexportprodukt von Kenia Kaffee ist, trinken die Kenianer selbst kaum Kaffee und sie wissen leider auch nicht, wie man ihn zubereitet. In nur ganz wenigen Kaffeehäusern gibt es Espressomaschinen, ansonsten wird der Kaffee mit Wasser aufgekocht und man bekommt eine wässrige braune Brühe serviert, die nur ganz wenig mit Kaffee zu tun hat.
Das zweite, das ich vermisse, ist Käse. Die Einheimischen essen keinen Käse und es gibt kaum Bauern, die Käse herstellen. Aus diesem Grund ist Käse exrem (!) teuer (5-12€ im Supermarkt für eine kleine Menge). Und für mich als Vegetarierin: Ich vermisse pflanzliche Fleischalternativen. In großen, internationalen Supermärkten gibt es pflanzliche Milch zu kaufen. Einmal habe ich schon Tofu gesehen, aber das wars dann auch schon. Seitan oder pflanzliche Joghurts gibt es nicht zu kaufen. Ich vermisse es, aber es ist auch gut für mich, da ich sowieso an der Gesundheit dieser Fertigprodukte zweifle. Das dritte, das ich vermisse, ist, dass ich nicht einfach so stundenlang spazieren gehen oder joggen gehen kann, aus Angst ausgeraubt zu werden. Es gibt bestimmte Plätze (z.B. Karura Forest), die bewacht sind und wo es überhaupt kein Problem ist, sich als Mzungu frei zu bewegen, aber einfach so stundenlang alleine durch die Straßen oder Felder zu schlendern, ist (in der Gegend Nairobis) oft zu gefährlich. Meine Waschmaschine vermisse ich auch. Seit 2 Monaten wasche ich meine Wäsche mit der Hand, das ist mühsam und dauert ewig!
Und natürlich vermisse ich euch... Aber das ist doch sowieso klar! ;)



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Conclusio

Wenn man in ein fremdes Land, noch dazu auf einem fremden Kontinent, kommt, muss man sich im Klaren sein, dass es nicht so ist, wie man es von zu Hause kennt. Nach 9 Wochen in Kenia kann ich sagen, dass ich es trotz mancher Hürden sehr liebe. Das Leben hier ist einfach, wenn man weiß, wie man sich arrangiert. Ich bin viel unterwegs und lasse mich kaum einschränken. Seit einigen Wochen fahre ich sogar mit Motorradtaxis (sehr cooles Feeling) durch die Stadt, weil ich es bequemer finde, als in Matatus und es billiger als ist als Autotaxis. Zu Beginn habe ich Straßenmärkte vermieden, jetzt nehm ich einfach einen vertrauenswürdigen Einheimischen mit. Ich habe gelernt Nein zu sagen und auch, wenn ich mich nicht wohl fühle. Ich habe auch gelernt, dass ich gar keine große Abenteuerin bin, sondern lieber auf Nummer sicher gehe, bevor ich mich in einem fremden Land in eine gefährliche Situation begebe. Ich liebe Kenia, weil die Menschen hier (großteils) freundlich sind und ihren eigenen „way of life“ haben, so nach dem Motto „Hakuna Matata“ (Mach dir keine Sorgen). Als Ausländer hat man hier viele Möglichkeiten, es gibt große, internationale Supermärkte, die Dimensionen wie in der USA haben. Es gibt tolle Hotels, gutes internationales Essen und Geschäfte. Es gibt viele Veranstaltungen für und von „Expats“ (Leute, die von Ausland hierher zum Arbeiten kommen) – Sport, Kultur, Musik… es gibt nichts, das es bei uns nicht auch gibt. Und die Expatscommunity ist sehr groß!


Fazit: Wenn man weiß, wie man leben hier leben kann, ist es ein tolles Leben hier! 

Kommentare

  1. Hallo liebe Simone. ....wirklich schöne Berichte von dir.....aber auch das Leben dort ..nicht immer sehr einfach...Urlaub zu machen dort ..sicher super. ..aber sonst...???!!
    Ist eine sehr schöne Erfahrung , wenn man sich im positiven einbringen kann ..wünschen dir alles liebe und gute u noch eine schöne Zeit. .ganz lg von uns 😙😙🙋🙅
    Bis bald. .T.S.u O. S....

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